07 Juni 2010

Hase in der Schlinge

Ein Mensch,
der stets nach Angenehmen verlangt,
wird in das Netz von
Geburt, Alter, Krankheit und Tod geraten.
Von Daseinsformen in schlechten Existenzen begleitet,
gleicht er einem Hasen,
der in der Schlinge herumzappelt.

Aus den Aranyakas

05 Juni 2010

Vom Geiste aus

Was es auch
an schlechten Dingen gibt,
die dem Schlechten verbunden sind,
dem Schlechten angehören,
- sie alle gehen vom Geiste aus.

Was es auch
an guten Dingen gibt,
die dem Guten verbunden sind,
dem Guten angehören,
- sie alle gehen vom Geiste aus.

Aus dem Anguttara-Nikaya

04 Juni 2010

Der Schatten des Mönches























Sitzender Mönch.
Japan, Kamakura-Periode, zwischen 1324 und 1439.
Bemaltes Holz und Glas

Mehr Exponate asiatischer Kunst hier:
http://www.situation-kunst.de/asien.htm

03 Juni 2010

Juliana, Beginen und "Beginen"

Von der Begine Juliana von Lüttich oder Juliana von Cornillon, wird folgendes berichtet: "Eine ganz besondere Andacht hatte sie zum hochheiligen Altarssacramente. Wenn sie sich in die Unendlichkeit desselben vertiefte, konnte sie nicht begreifen, daß noch kein besonderes Fest zur Feier desselben in der Kirche angeordnet worden. Als sie 16 Jahre alt war, erschien ihr im Gebete einmal ein großes und wunderbares Zeichen. Sie sah nämlich den Mond im schönsten Glanze, in seiner Rundung aber hatte er einen Bruch. Sie konnte sich dieses sich sehr peinlich, daß, so oft sie von nun an dem Gebete oblag, immer und immer wieder dieses Zeichen vor ihren Blick trat, obwohl sie es mit aller Gewalt von sich zu entfernen suchte. Sie hielt es am Ende für eine Versuchung, und bat daher und ließ Andere beten, daß sie davon befreit werden möchte. Da aber dieses nicht gelang, bat sie den göttlichen Heiland inständig, Er möchte ihr, wenn dieses Gesicht etwas bedeute, die Erklärung desselben geben. Endlich auf ihr demüthiges Flehen offenbarte ihr Christus selbst: der Mond bedeute die gegenwärtige Kirche, der Bruch aber den Abgang eines Festes zu Ehren des Altarssacramentes, welches Er von den Gläubigen feiern lassen möchte etc. Zugleich gab Er ihr den Auftrag, daß sie diesen Seinen Willen der Welt verkündigen solle etc. ... Endlich nach 20 Jahren, da sie anstatt der im Jahre 1230 gestorbenen sel. Priorin Sapientia zur Priorin des Hauses von Mont-Cornillon erwählt worden, entdeckte sie die Offenbarung zuerst dem Johannes de Lausenna, Canonicus von St. Martin in Lüttich, hierauf dem dortigen Archidiakon Jakob von Troyes, dann auch dem Dominikaner-Provinzial Hugo de St. Caro, dem Bischof Guiardus von Cambrai und andern gelehrten Männern, welche das Unternehmen billigten. Doch gab es auch Andere, welche demselben entgegen waren und die sel. Juliana eine »Träumerin« nannten. Aber diese ließ sich in ihren Bemühungen nicht irre machen, und so kam endlich die Sache auch vor den Bischof Robert von Lüttich, der dann im Jahre 1246 die Abhaltung des Festes in seinem ganzen Bisthume anordnete, aber leider nicht lange mehr lebte. Bald darauf wurde Hugo zum Cardinalpriester und päpstlichen Legaten erhoben, und verschaffte durch seinen Eifer und sein Ansehen dem Feste noch in mehreren Bisthümern Eingang. Er war es auch, welcher dieses Fest zum Erstenmale in der Kirche von St. Martin in Lüttich mit großer Feierlichkeit beging, unter dem von ihm celebrirten Hochamte eine feurige Predigt über diesen Gegenstand vor einer großen Volksmenge hielt und dadurch auch die Domherren von Lüttich bewog, dieses Fest in ihrer Kathedralkirche zu feiern. Auch bestimmte er den Donnerstag nach der Octav von Pfingsten als den Tag der jährlichen Feier. Seine Predigt hat unter Anderem auch bewirkt, daß zwei Kanoniker von St. Martin dieser Kirche ihr Vermögen zu dem Zweck vermachten, daß von den Renten desselben die jährlichen Ausgaben für die Feier des Festes und dessen Octav bestritten werden konnten. Besonders günstig wurde aber dafür die Fügung Gottes, daß Jakob von Troyes im Jahre 1261 als Urban IV. den päpstlichen Stuhl bestieg, der dann mittelst Bulle vom Jahre 1264 das in seiner Heimath übliche Fest zu einem allgemeinen in der ganzen Kirche erhob." Soweit die Angaben in: Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 3. Augsburg 1869, S. 514-516.

Die vorreformatorische Bewegung der Beginen, die als Frauenbewegung und Sozialbewegung nicht ohne ihre Beginenmystik zu denken ist, hat bis zu ihrer endgültigen Zerschlagung Mitte des 19. Jahrhunderts stark von diesen eucharistischen Impulsen gelebt.  Mit ihrer Wiederbegründung ab 1985 sind diese Wurzeln partiell wieder aufgegriffen worden. "Dann haben wir ja wieder Diakoninnen" hat begeistert ein Domkapitular ausgerufen, als man ihm von der Neubegründung berichtete. Das wäre die eine Schiene der neuen Beginen. Wenn sie diesen Ansatz aufgreifen würde. Und dann gibt es die andere Schiene, deren kleinster gemeinsamer Nenner es ist, zusammen zu wohnen. Beide aber drohen zu verkürzen, was die Tradition insgesamt an reformatorischen Akzenten zu bieten hat.

02 Juni 2010

Der Nächste

Verurteile
deinen Nächsten
nicht,
bevor du
in der gleichen
Lage bist.

B.T.Awot 2,5

01 Juni 2010

Marguerite Porete: Befreite Seele

„Die befreite Seele trachtet nicht nach Gott, weder durch Busse noch durch irgend ein Sakrament der Heiligen Kirchen, noch durch Gedanken, Worte und Werke, noch durch ein Geschöpf von hier unten noch durch ein Geschöpf von oben.“

So die Begine Marguerite Porete, die am 1. Juni 1310 als „rückfällige Ketzerin“ in Paris verbrannt wurde, in ihrem „Spiegel der einfachen Seelen“.  Ein ausführlicher und äußerst lesenswerter Beitrag von Irmgard Kampmann findet sich hier:

http://www.bzw-weiterdenken.de/index.php?m=artikel&rub=11&tid=268

31 Mai 2010

Geheimnisse des Universums

Wenn Du
die Geheimnisse des Universums
finden willst,
dann denke in Formen von
Energie, Frequenzen und Schwingung.

Nikola Tesla (1856 - 1943)

30 Mai 2010

Gebetstabletten

Mit dem Gebet können wir nicht so umgehen, wie mit den meisten anderen Dingen in unserer "Knopfdruckgesellschaft". Es gibt weder "Gebetstabletten" noch "Erleuchtungszäpfchen".

Janie Gustafson

29 Mai 2010

Göttliches Selbst im Seelengrund

Den äußeren Menschen gilt es, soweit man es vermag, mit Gelassenheit zu bezwingen und ihn einwärts zu ziehen in den inneren Menschen, so dass der äußere nach den Weisungen des inneren wirke und nicht nach den Wünschen und Begierden des Ich. Wenn dann der innere Mensch in rechter freier Gelassenheit und Nicht-Anmaßung steht, halte er sich in seinem lauteren Nicht-Ich, über sich im Nicht-Tun, indem er sich Gott läßt und Gott wirken läßt. Dann erhebt sich der innerste Mensch, der Geist, Christus, das göttliche Selbst im Seelengrund, und kann sich in seinen Ursprung zurückwenden, in seine Ungeschaffenheit im Gottesgrund, wo er ewig gewesen ist: da steht er bildlos und formlos in seiner Ungewordenheit, und da erfüllt ihn Gott mit der Kraft und dem Reichtum seiner Herrlichkeit. So groß ist die göttliche Fülle, daß von diesem Reichtum der innere Mensch ganz erfüllt, durchlichtet und durchkraftet wird und selbst der äußere Mensch noch daran teilhat.

Johannes Tauler (1300 - 1361)

28 Mai 2010

Entweder - Oder

Ich umgehe das
Entweder - Oder
der Logik
und wähle
beides.

Ken Feit

27 Mai 2010

Einzige Erben der ganzen Welt

Niemals wirst du dich der Welt recht erfreuen, ehe nicht die See selbst in Deinen Adern fließt, dich der Himmel umhüllt und die Sterne dich krönen. Und betrachte dich als den einzigen Erben der ganzen Welt - und mehr als das, denn Menschen sind in ihr, von denen jeder einzelne einziger Erbe ist, genau wie du.

Thomas Trahernes (1636 - 1674)

26 Mai 2010

Sonne sein

Ich selbst muss Sonne sein
Ich muss mit meinen Strahlen
Das farbenlose Meer
der ganzen Gottheit malen.

Angelus Silesius (1624 - 1677)

25 Mai 2010

Ich bin in dir, du bist in Mir

Ich bin in dir, du bist in Mir,
Wir können einander nicht näher sin,
Denn wir sind beide in eins geflossen
Und sind in eine Form gegossen
Und bleiben so ewig unverdrossen.

Mechthild von Magdeburg (1207 - 1282)

24 Mai 2010

Gott finden

Wäre nicht Gott in allen Dingen, die Natur wirkte oder begehrte in keinem Dinge etwas; denn es sei dir lieb oder leid, magst du es wissen oder nicht: die Natur in ihrem Innigsten sucht und meinet Gott. Nie würde ein Mensch, der Durst hat, so sehr nach etwas zu trinken begehren, wenn nicht etwas von Gott darin wäre. Die Natur meinte weder Essen noch Trinken, noch Kleider, noch Bequemlichkeit, noch sonst etwas, wenn nicht Gott darin wäre, und sie jagt und bohrt immer mehr danach, Gott darin zu finden.

Meister Eckhart (1260 - 1328)

23 Mai 2010

Dem Heiligen Geist eine Stätte einräumen

So viele Wohnungen und Kammern im Haus des Menschen sind, ebenso viele Kräfte und Sinne und Wirksamkeiten sind in dem Menschen. In all diese kommt der Heilige Geist auf je besondere Art. Sobald er kommt, drückt, reisst und richtet er den Menschen aus und bearbeitet und erleuchtet ihn.
Aber diese Einkehr, diese Wirksamkeit, werden nicht alle Menschen in gleicher Weise gewahr; und wirklich wohnt er ja auch in allen guten Menschen. Doch wer sein Wirken empfinden soll, sein Dasein schmecken mag oder will, der muss sich in sich selber sammeln, sich von allen äußeren Dingen abschließen und dem Heiligen Geist eine Stätte einräumen, damit dieser in Ruhe und Stille sein Werk in ihm tun könne.

Johannes Tauler (1300 - 1361)

22 Mai 2010

Ins lautere Nichts sinken

Soll Göttliches in den Menschen, so muss das Geschöpfliche erst den Menschen verlassen. Alles Geschöpfliche muss heraus, es sei von welcher Art auch immer; es muss alles weg, was in dir ist und was du empfangen hast. Die tierische, unvernünftige Seele muss da fort, damit im Menschen die vernünftige Seele erscheine. So muss der Mensch sich fassen lassen, sich leeren und vorbereiten lassen. Er muss alles lassen, dieses Lassens selbst noch ledig werden und es lassen, es für nichts halten und in sein lauteres Nichts sinken.

Johannes Tauler (1300 - 1361)

21 Mai 2010

Geist

Ein Geist,
der still ist,
ist krank.

Ein Geist,
der langsam ist,
ist gesund.

Ein Geist,
der still ist,
ist göttlich.



Meher Baba (1894 – 1969)

20 Mai 2010

Wunschlos

Ein Übender hat nur einen Wunsch und er ist: die absolute Wahrheit zu erkennen. Oder man kann es auch anders ausdrücken: Ein wirklich Übender hat nur einen Wunsch - wunschlos zu werden. Das ist der Hauptwunsch, denn nur durch die Wunschlosigkeit geht alles Dukkha verloren.


Ayya Khema (1923 - 1997)

19 Mai 2010

Loslassen

Loslassen bedeutet
sich nicht anklammern,
nicht festhalten wollen.
Es bedeutet niemals etwas Negatives,
es ist immer etwas Positives.

Ayya Khema (1923 - 1997)

18 Mai 2010

Wer oder was ist liebenswert

Wenn wir erst einmal bedenken wollen, wen wir lieben oder was wir lieben oder wie wir lieben, dann geschieht es schon nicht mehr.
Wir haben ganz bestimmte Ideen, wer oder was liebenswert ist.

Ayya Khema (1923 - 1997)

17 Mai 2010

Der Weise zweifelt

Der Weise zweifelt sogar in seinen besten Zeiten. Die Wahrheit ist stets von Zweifel begleitet. Ohne Zweifel könnte ich nicht glauben.

Henry David Thoreau (1817 - 1862)

16 Mai 2010

Wunsch und Wahrheit

Da man sich das Angenehme oft vorstellt, so wird seine Vorstellung leicht und man glaubt, sie auch so leicht verwirklichen zu könne; deshalb hält man leicht das für wahr, was man wünscht.


Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716)

15 Mai 2010

Gutes Leben

Die ein gutes Leben beginnen wollen,
sollten tun wie einer,
der einen Kreis zieht:
Hat er den Mittelpunkt
gut angesetzt,
so wird die Kreislinie gut.


Meister Eckhart (1260 - 1328)

14 Mai 2010

Freiheit in jedem Moment

Ihr könnt Freiheit in jedem Moment eures täglichen Lebens praktizieren. Jeder Schritt, den ihr geht, kann euch helfen, eure Freiheit wiederzuerlangen. Jeder Atemzug kann euch helfen, eure Freiheit zu entwickeln und zu kultivieren. Wenn ihr esst, esst als ein freier Mensch. Wenn ihr geht, geht als ein freier Mensch, Wenn ihr atmet, atmet als ein freier Mensch. Dies ist überall möglich.

Thich Nhat Hanh zu Strafgefangenen

13 Mai 2010

Rumis Elefant

Im finstern Hause war der Elefant,
wo von den Indern ausgestellt er stand.
Und viele Leute kamen, ihn zu sehen -
sie alle mussten in das Dunkel gehen.

Da sie ihn in der Dunkelheit nicht sahen,
berührten sie ihn nur mit ihren Händen.
Der, dessen Hand an seinen Rüssel rührte,
sprach: «Wie 'ne Regenrinne ist der wohl!»

Der, dessen Hand an seine Ohren traf,
rief: «Wie ein Fächer sieht das Wesen aus!»
Der, dessen Hand berührte nur sein Bein,
sprach: «Wie ein Pfeiler wird das Tier wohl sein.»

Der, dessen Hand den Rücken rührte schon,
sprach: «Sicherlich, er ist gleichwie ein Thron.»
So kam ein jeder nur zu einem Teil
und er verstand nur dies, und nicht das Ganze,

denn je nach dem Gesichtspunkt war verschieden
wie A und Z, was sie zu sehen glaubten.
Doch hielte jeder einer Kerze Licht,
so gäbe es die Unterschiede nicht!

Rumi (1207-1273)

12 Mai 2010

Sein in vollkommener Harmonie

Wenn wir erfahren, wer wir sind, und wenn wir
leben, was wir sind, verkörpern wir ewiges Sein, und leben in der
Freiheit des Gottmenschen, des Erwachten, des Erleuchteten, des
Wiedergeborenen oder des Mystikers. In diesem Zustand gibt es keine
Grenzen zwischen den Menschen und den Geschöpfen, er ist Einheit
allen Seins in vollkommener Harmonie.

Ingeborg Wolf

Mehr hier:
Ingeborg Wolf

11 Mai 2010

Das werde ich sein

Eins ums andere Mal wuchs ich wie Gras:
Ich starb der mineralischen Welt und wurde zur Pflanze;
und der Pflanzenwelt starb ich und wurde zum Tier;
ich starb als Tier und wurde Mensch.
Warum sollte ich das Verschwinden durch den Tod fürchten?
Was Du Dir nicht vorstellen kannst, das werde ich sein!

Hakim Sanai (1072 - 1131)

10 Mai 2010

Der Bösen sich erbarmen...

Der Bösen sich erbarmen,
ist Ungerechtigkeit gegen die Guten,
und den Unterdrückern verzeihen,
ist Gewalttätigkeit gegen die Armen.

Saadi eigentlich Moscharraf od-Din Abdullah (um 1190 - 1283 oder 1291)

09 Mai 2010

Sisyphos

Der Kampf gegen Gipfel
vermag ein Menschenherz auszufüllen.
Wir müssen uns Sisyphos
als einen glücklichen Menschen vorstellen.

Albert Camus (1913 - 1960)

08 Mai 2010

Grenzenlosigkeit

Auch wenn der Ort,
an dem wir die Versenkung üben,
sehr klein ist,
enthält er doch das ganze Universum.

Auch wenn unser Geist begrenzt ist,
enthält er doch
die Grenzenlosigkeit.

Sekito Kisen (700 - 790)

07 Mai 2010

Besondere Art Mystiker

Indem wir unsere mystischen Momente mit allem, was sie bieten
und verlangen, zulassen, werden wir die Mystiker, die wir sein sollen.
Schließlich ist der Mystiker keine besondere Art Mensch, sondern jeder
Mensch eine besondere Art Mystiker.

David Steindl-Rast (*1926)

06 Mai 2010

Echo der Leerheit

Buddhas, Lebewesen und Erscheinungen haben nur eine Form der Übung und eine unteilbare Erleuchtung. Sie begrenzt sich nicht nur auf die Übung des Zazen. Das Echo der Leerheit zu hören, gleicht dem wunderbaren Klang eines Hammers, bevor und nachdem er eine Glocke anschlägt. Ausserdem hat jedes menschliche Wesen seine eigene ursprüngliche Natur und Tätigkeit, die über jedem rationalen Denken steht. Auch wenn alle unzählbaren Buddhas des ganzen Alls ihre Weisheit verbinden würden, um den Verdienst des Zazen einer Person zu ermessen, könnten sie es nicht ergründen.

Dogen Zenji (um 1200) im Bendowa

05 Mai 2010

Wahres Zen

Wahres Zen übt man ohne Motivation, ohne Zweck, ja sogar ohne die Erweckung (satori) anzustreben; ich betone allein die Essenz des Zen: Zazen. Die Rezitation der Sutras und die Zeremonien sind wohl sehr schöne Dinge, doch nicht das Wesentliche.

Es ist keineswegs notwendig, nach Japan zu gehen, um die authentische Zenlehre zu finden. Das wahre Zen ist hier und jetzt, in unserem Körper und in unserem Geist. Bei richtiger Haltung und Atmung findet der Geist zu seinem normalen Zustand zurück.

Taisen Deshimaru  (1914 - 1982) in: ZA-ZEN - Die Praxis des Zen

04 Mai 2010

Hunderte von Fliegen

Hunderte von Fliegen versammeln sich auf einem Stück verrottendem Fleisch.
Sie genießen es und denken:
Was für ein wunderbares Fest!

Dieses Beispiel passt auf die Dummheit der menschlichen Wesen,
die andauerndes Glück suchen.
Sie versuchen dies in den unterschiedlichsten Arten und Weisen zu erreichen.
Aber noch nie habe ich jemanden befriedigt gesehen.

Der Dalai Lama in: „Songs of Spiritual Change“

03 Mai 2010

Drei Dinge haben keinen Bestand

Drei Dinge haben keinen Bestand:

Reichtum ohne Erwerb,
Wissenschaft ohne gelehrten Streit,
Regierung ohne Gerechtigkeitspflege.

Saadi eigentlich Moscharraf od-Din Abdullah (um 1190 - 1283 oder 1291)

02 Mai 2010

Was ist der Weg?

Jôshû fragte Nansen in allem Ernst: »Was ist der Weg?«
Nansen antwortete ihm darauf: »Der alltägliche Geist ist der Weg.«
Jôshû fragte: »Soll ich mich selbst darauf ausrichten oder nicht?«
Nansen sagte: »Wenn du versuchst, dich ihm zuzuwenden, wendest du dich von ihm ab.«
Jôshû fragte: »Wenn ich nicht versuche, mich ihm zuzuwenden, wie kann ich wissen, daß es der Weg ist?«
Nansen antwortete: »Der Weg hat nichts zu tun mit Wissen oder Nicht-Wissen. Wissen ist Illusion. Nicht-Wissen ist ohne Bewußtsein. Wenn du den zweifelsfreien, wahren Weg wirklich erlangen willst, dann werde so grenzenlos und weit wie der Weltraum. Wie kann man darüber sprechen auf der Ebene von Richtig oder Falsch?«
Bei diesen Worten war Jôshû plötzlich erleuchtet.

Aus dem Mumonkan

01 Mai 2010

Heil.Spuren.2

Vielleicht erinnern Sie sich:

http://sinndeuter.blogspot.com/2009/12/heilspuren.html

Sundra macht mich darauf aufmerksam, dass es nun ein zweites Video mit Mandalas und Musik gibt. Hier der Link auf "youtube":

http://www.youtube.com/watch?v=pmluH8rIrHY&feature=related

Ihre Seite findet sich hier:
http://www.sundra.eu/

Eigen-Liebe

Alle Liebe dieser Welt ist auf Eigenliebe gebaut.
Hättest du die gelassen, so hättest du alle Welt gelassen.

Meister Eckhart (1260 - 1328)

30 April 2010

Der Mensch auf dem Planeten Erde

Der Mensch auf dem Planeten Erde hat einen sehr niedrigen Entwicklungsstand. Jeden Tag liest man in der Zeitung Nachrichten über Militärbünde, Kriegsvorbereitungen und Massenvernichtungen.
Die Leute verstehen nicht, dass das Leben eines jeden Menschen sein eigener Privatbesitz ist.

Nicolas Camille Flammarion (1842 - 1925)

29 April 2010

Kräfte

In dieser Welt sind mächtige Kräfte am Werk. Niemand kann sie aufhalten. Wir erkennen ihre Zeichen in einem neuen Verständnis der Religion, einer neuen Achtung den Menschen gegenüber, einem neuen Gefühl der Geschwisterlichkeit.

William Ellery Channing (1780 - 1842)

28 April 2010

Wahrheit

Jede Wahrheit entspringt in Gott. Wenn sie sich dur einen Menschen äußert, liegt es nicht daran, dass sie von ihm kommt, sondern dass er so durchlässig ist, dass er sie offenbaren kann.

Blaise Pascal (1623 - 1662)

27 April 2010

Liebe...

Wir alle sind Natur als Körper,
sind Klarheit als Geist
und sind Liebe als Seele.
Davon bin ich zutiefst überzeugt.

Liebe bewegt das Universum.
Liebe durchdringt alle Dinge.
Liebe wohnt in unserem Herz.
Liebe nährt uns.
Liebe zeigt sich groß und zeigt sich klein.

Liebe strahlt in jeder ihrer Ausdrucksformen mit gleichem Wert.
Liebe zu unserem Partner, unseren Kindern, die Liebe zu Freunden und weit Entfernten, die Liebe zu den kleinen Dingen des Alltags und die Liebe zur Natur, die Liebe zu Gott und die Liebe der Erde zu uns - all das und noch viel mehr sind die Strahlen der großen Liebe.
Liebe ermöglicht unserem Herz sich zu weiten und alles was uns begegnet, sei es freudig oder schmerzlich mit unserem Herzen zu umschließen.

Doch im Schreiben merke ich, wie Recht Rumi hat, wenn er sagt:
„Sei still! Sei still! Denn bei der Liebe verhält es sich anders als bei anderen Dingen: hier versteckt sich die Bedeutung, wenn du zu viel redest.“

Pyar (*1960)

26 April 2010

Mensch und Menschtum

Wenn man Mensch sagt, so versteht man darunter eine Person; wenn man Menschtum sagt, so meint man die Natur aller Menschen. Die Meister fragen, was Natur ist. Sie ist ein Ding, das Wesen empfangen kann. Darum einigte Gott das Menschtum mit sich, nicht den Menschen. Ich sage: Christus war der erste Mensch. Wieso? Das erste in der Meinung ist das letzte am Werk, wie ein Dach das letzte am Hause ist.

Meister Eckhart (1260 - 1328)

25 April 2010

Liebe

Liebe ist
das freie Gefühl
eines freien Herzens:
unbegrenzt,
nicht anhaftend,
sich nirgends festhaltend,
sondern immer nur gebend.

Das ist allerdings
nur ohne Ego möglich.

Ayya Khema (1923 - 1997)

24 April 2010

Großes Geheimnis

Soll ich dir ein großes Geheimnis verraten, mein Freund?
Warte nicht auf das letzte Gericht:
Esl findet jeden Tag statt

Albert Camus (1913 - 1960)

23 April 2010

Gesetz der Liebe

Leiden ist das uralte Gesetz der Liebe: kein Suchen ohne Schmerz, kein Liebender, der nicht auch ein Märtyrer wär.

Heinrich Seuse (1295 oder 1297- 1366)

22 April 2010

Wagenlenker

Wer aufsteigenden Zorn zurückhält,
wie man einen rollenden Wagen anhält,
den nenne ich einen Wagenlenker.
Andere halten lediglich die Zügel.

Buddha

21 April 2010

Wie Sehnsucht nach Luft

Ein Schüler fragte: "Herr, wie kann ich Gott erlangen ?" Da nahm ihn der Meister zum Meer und tauchte ihn unter Wasser. Nach kurzer Zeit ließ er ihn wieder los und fragte: "Wie hast du dich gefühlt?" Der Schüler antwortete: "Ich glaubte, mein letzter Augenblick sei gekommen. So verzweifelt war ich." Da antwortete der Meister: "Du wirst Gott schauen, wenn dein Verlangen nach ihm so groß ist, wie deine Sehnsucht nach Luft in diesem Augenblick."

Shri Ramakrishna (1836 - 1886)

20 April 2010

Ende des Leidens

Wenn du nicht bei dir selbst beginnst,
kannst du alles Mögliche versuchen,
du wirst niemals das Ende des Leidens finden.

Jiddu Krishnamurti (1895-1986)

19 April 2010

Zeit.Raum.Seele

Zeit und Raum sind nichts als physiologische Farben,
die das Auge wahrnimmt,
aber die Seele besteht aus Licht.

Ralph Waldo Emerson (1803-1882)

18 April 2010

Besser

Es ist besser,
das Gesicht
zu sehen,
als
den Namen
zu hören.

Aus dem Zen

17 April 2010

Was ist dies "Ich"?

Was ist dies "Ich"? Sie werden bei tiefer gehender innerer Betrachtung feststellen, dass das, was Sie wirklich mit "Ich" meinen, die Grundlage ist, auf welcher Erfahrungen und Erinnerungen gesammelt werden.

Erwin Schrödinger (1887-1961)

16 April 2010

Was man liebt...

Was man liebt,
findet man überall,
und sieht überall Ähnlichkeiten.

Novalis (1772-1801)

15 April 2010

Das Leben selbst

Ich glaube an nichts in der Welt so tief, keine andere Vorstellung ist mir so heilig wie die Einheit, die Vorstellung, dass das Ganze der Welt eine göttliche Einheit ist und dass alles Leiden, alles Böse nur darin besteht, dass wir einzelne uns nicht mehr als unlösbare Teile des Ganzen empfinden, dass das Ich sich zu wichtig nimmt.
Die Einheit, die ich hinter der Vielheit verehre, ist keine langweilige, keine graue, gedankliche, theoretische Einheit. Sie ist ja das Leben selbst, voll Spiel, voll Schmerz, voll Gelächter. Sie ist dargestellt worden im Tanz des Gottes Shiva, der die Welt in Scherben tanzt, und in vielen anderen Bildern, sie weigert sich keiner Darstellung, keinem Gleichnis. Du kannst jederzeit in sie eintreten, sie gehört dir in jedem Augenblick, wo du keine Zeit, keinen Raum, kein Wissen, kein Nichtwissen kennst, wo du aus der Konvention heraustrittst, wo du in Liebe und Hingabe allen Göttern, allen Menschen, allen Welten, allen Zeitaltern angehörst.

Hermann Hesse (1877-1962)

14 April 2010

Wirklich ändern

Bist Du bereit, dich auslöschen zu lassen,
völlig ausradiert zu werden?
Bist du bereit, ein Nichts zu sein,
zu verschwinden und vollkommen in Vergessenheit zu geraden?
Wenn nicht, wirst du dich nie wirklich ändern.

D.H. Lawrence (1885 -1930)

13 April 2010

Die Welt...

Die Welt
ist außerhalb der Irrenhäuser
nicht minder drollig
als drinnen!

Hermann Hesse in einem Brief vom 17. 1. 1926 an Hildegard Jung-Neugeboren

12 April 2010

Alle Dinge lassen

Wann hat man alle Dinge gelassen? So man alles das lässt, was der Sinn greifen kann, und alles, was man sprechen kann, und alles, was Farbe machen kann, und alles, was man hören kann, dann erst hat man alle Dinge gelassen. Wenn man so alle Dinge lässt, so wird man von der Gottheit durchklärt und überklärt.

Meister Eckhart (1260-1327)

11 April 2010

Schöpferisch sein

An dem Tag, da du das Gute in dir und in deinem Bruder als ein und dasselbe erkennst, wird alles, was dich von Gott trennt, von dir abfallen, und du wirst in all deiner Herrlichkeit neben mir stehen.
Dann wirst du jenseits aller Zweifel wissen, wie sehr Gott dich liebt. Dann wirst du wissen, dass Seine Liebe dich nie verlassen hat, nicht einmal auf dem Höhepunkt deines Wahnsinns, als du glaubtest, sie sei es, die dich bestraft und deine Welt zerstört hat. Dann wirst du um die Schöpferkraft deines Geistes wissen, und du wirst dich dafür entscheiden, gemeinsam mit Gott, nicht von ihr getrennt, schöpferisch zu sein.

Paul Ferrini

10 April 2010

Immer gewusst

Im tiefsten Zentrum Ihres eigenen reinen Bewusstseins haben Sie immer gewusst, dass Sie niemals wirklich sterben werden (weil das Selbst zeitlos ist), und Sie wissen bereits, dass Sie schon immer hier gewesen sind (weil das Selbst allgegenwärtig ist). Sie haben das alles in den Tiefen Ihres Geistes bereits gewusst. Sie sind sich vollständig bewusst, dass Sie Zeuge dieses Augenblicks sind. Sie wissen, dass Sie das Absolute sind; Sie wissen, dass Sie Gott sind; Sie wissen, dass Sie Göttin sind; Sie wissen, dass Sie GEIST sind, und Sie wissen, dass jedes empfindungsfähige Wesen im gesamten KOSMOS diese einfache Feststellung machen kann: Wann immer ich rein-es Selbst bin, bin Ich-Ich Gott. Ich habe das immer gewusst. Sie haben das immer gewusst. Und Sie haben es immer gewusst, weil das Selbst allgegenwärtig ist.

Ken Wilber (*1949)

09 April 2010

Religion der Zukunft

Die alten Upanishaden enthalten erhabene Dichtungen, ihre Verfasser waren Dichter. Plato sagt, die Eingebung komme zu den Menschen durch Dichtung. Es hat den Anschein, als ob diese ehrwürdigen Rishis, jene Seher der Wahrheit über die Menschheit emporgehoben wurden, um jene Wahrheiten in poetischer Form zu verkünden. Sie predigten nicht, sie philosophierten nicht, sie schrieben nicht. Aus ihrem Herzen kam Musik. Buddha verkörperte das grelle, allumfassende Herz und die grenzenlose Geduld, die Religion im täglichen Leben anwendbar machte und sie zu jedermanns Tür brachte. Shankara stellte jene gewaltige intellektuelle Macht dar, die alles mit dem sengenden Lichte der Vernunft beschien. Was wir heute brauchen, ist die helle Sonne dieser Intelligenz, verbunden mit dem Herzen Buddhas, dem wundervollen Herzen, erfüllt von unendlicher Liebe und Barmherzigkeit. Eine solche Verbindung würde die erhabenste Philosophie hervorbringen, in der sich Wissenschaft und Religion begegnen und die Hände reichen, und Dichtung und Philosophie zu Freunden werden. Dies wird die Religion der Zukunft sein, und wenn wir sie errichten können, wird sie dauern für alle Zeiten und für alle Völker. Kein anderer Weg ist für die moderne Wissenschaft gangbar, und sie hat ihn schon beinahe betreten.

Swami Vivekananda (1863 - 1902)

08 April 2010

Über Gott nachdenken

Du kannst nicht über Gott nachdenken,
weil Er es ist, der denkt.

Ken Wilber (*1949)

07 April 2010

Das Göttliche wächst

Wie man sich des niederen Selbstes entledigt: Die Blüte vergeht von selbst, wenn die Frucht wächst; so wird auch dein niederes Selbst vergehen, wenn das Göttliche in dir wächst.

Shri Ramakrishna (1836 - 1886)

06 April 2010

Jetzige Gedanken

Du brauchst
keine neuen Zustand
anzustreben
oder
zu erreichen.
Sieh zu,
dass du deine
jetzigen Gedanken
los wirst.
Das ist alles.

Ramana Maharshi (1879-1950)

05 April 2010

Gott Gott sein lassen

Gott erwartet
nur eines von euch,
nämlich,
dass ihr aus euch heraustretet,
insofern ihr geschaffenes Sein seid,
und Gott in euch Gott sein lasst.

Meister Eckhart (1260 - 1327)

04 April 2010

Ich bin da

Jesus sprach:
Ich bin das Licht,
das über allen ist.
Ich bin das All.
Das All ist aus mir hervorgegangen
und das All ist zu mir zurückgelangt.
Spaltet ein Stück Holz,
und ich bin da.
Hebt einen Stein,
und ihr findet mich dort.

Jesus Christus (ca. 4 v.-29 n. Chr.)

03 April 2010

Raum und Zeit

Die Seele weiß alles. Nichts Neues kann sie überraschen. Nichts ist größer als sie. Lass andere furchtsam sein, die Seele aber fürchtet nichts. Sie lebt ihren eigenen Gesetzen zufolge. Sie ist größer als der Raum und älter als die Zeit.

Ralph Waldo Emerson (1803-1882)

02 April 2010

Wahrheit

Ihr werdet die Wahrheit erkennen,
und die Wahrheit wird euch frei machen.

Jesus Christus (ca. 4 v.-29)

01 April 2010

Du bist unbegrenztes Sein

Je genauer du verstehst, dass du auf der Ebene des Verstandes nur in negativen Begriffen beschrieben werden kannst, um so rascher wirst du zum Ende deiner Suche kommen und erkennen, dass du das unbegrenzte Sein bist.

Sri Maharaj Nisargadatta (1897-1981)

31 März 2010

Hilf jedem

Störe niemand in seinem Glauben, auch nicht jene, die aus Unwissenheit primitiven Anbetungsformen huldigen." Störe niemand, sondern hilf jedem höher und höher zu klimmen.

Swami Vivekananda (1863 - 1902)

30 März 2010

Was du (nicht) bist

Um zu wissen, wer du bist, musst du zunächst untersuchen und kennen, was du nicht bist. Entdecke alles, was du nicht bist: Körper, Gefühle, Gedanken, Zeit, Raum, dies und das. Nichts, was du konkret oder abstrakt wahrnimmst, kannst du sein. Eben dieser Vorgang der Wahrnehmung zeigt, dass du nicht bist, was du wahrnimmst.

Sri Maharaj Nisargadatta (1897-1981)

29 März 2010

Herz und Verstand

In einer Epoche der Menschheitsgeschichte, die eine Höhe intellektueller Entwicklung erklommen hat, wie man sie vor hundert Jahren nicht erträumen konnte, und die einen wissenschaftlichen Fortschritt gebracht hat, der vor fünfzig Jahren für unmöglich gehalten wurde, kann man die Herzen der Welt nicht in enge Schranken bannen. Wenn man versucht, die Menschen in enge Grenzen zu verweisen, erniedrigt man sie zu Tieren und gedankenlosen Massen und tötet ihr sittliches Leben. Was wir heute brauchen, ist das edelste Herz in Verbindung mit dem höchsten Verstand, die grenzenlose Liebe in Verbindung mit unendlicher Weisheit. Sein ohne Wissen und Liebe gibt es nicht; Wissen ohne Liebe, und Liebe ohne Wissen gibt es nicht. Unser Ziel ist die Harmonie von ewigem Sein, unendlichem Wissen und ewiger Glückseligkeit. Wir wollen Harmonie und nicht einseitige Entwicklung, den Verstand eines Shankara mit dem Herzen eines Buddha. Wollen wir uns alle bestreben, diese begnadete Verbindung zu verwirklichen.

Swami Vivekananda (1863 - 1902)

28 März 2010

Menschlich

Unser Hauptziel ist der universelle Frieden. Wie können wir ihn erreichen? Wir können ihn erreichen, indem wir alle Unmenschlichkeit zwischen uns ausrotten. Es darf nur eine Rasse und nur eine Gesellschaft geben. Werdet menschlich!

Babaji (1970?-1984)

27 März 2010

Formen

Formen erscheinen dann,
wenn Bedingungen zur Formgebung entstehen,
etwa so, wie der Mond sich spiegelt,
wenn Wasser da ist, das ihn reflektiert.

Rinzai Gigen Zenji alias Lin-chi (um 850)

26 März 2010

Abwesenheit

Ein buddhistisches Koan sagt: "Der Meister hält den Kopf des Schülers unter Wasser, lange, sehr lange; allmählich werden die aufsteigenden Wasserblasen seltener; im letzten Augenblick zieht der Meister den Schüler heraus und läßt ihn wieder zu Atem kommen: wenn du so sehr nach der Wahrheit verlangt hast wie nach der Luft, wirst du wissen, was sie ist."
Die Abwesenheit des Anderen drückt mir den Kopf unter Wasser; allmählich ersticke ich, meine Atemluft wird knapper: durch eben diese Asphyxie rekonstituiere ich meine Wahrheit, bereite ich in mir den "Unheilbar"-Liebenden vor.

Roland Barthes (1915 - 1980)

25 März 2010

Weite der See

Ein Tropfen, der aus einer Regenwolke fiel,
Erschrak vor der Weite der See:
Wer bin ich in der Unermesslichkeit des Ozeans?
Wenn ER ist, dann bin ich in Wahrheit nicht!
Während er sich mit den Augen der Verachtung betrachtete,
Nährte ihn eine Muschel in ihrem Schoß.

Der Himmel lenkte die Geschicke so,
Dass eine berühmte, eine königliche Perle heranwuchs:
Aus der Tiefe stieg er zur Höhe empor
Und klopfte an die Tür des Nichts:
Bis das Sein heraustrat.

Idries Shah (*1924-1996)

24 März 2010

Von Moment zu Moment

Es gibt niemanden auf der Welt, weder unter denjenigen, die wir als die Unterdrückten sehen, noch unter denjenigen, die wir für die Unterdrücker halten, der nicht alles hätte, was zum Erwachen nötig ist. Wir alle brauchen Unterstützung und Ermutigung, um uns bewusst zu werden, was wir denken, was wir sagen und was wir tun. Werden Sie sich Ihrer Meinungen bewusst. Wenn Sie feststellen, dass Sie Ihren Meinungen gegenüber aggressiv reagieren, bemerken Sie es einfach. Wenn Sie Ihren Meinungen gegenüber nicht aggressiv sind, bemerken Sie auch das. Indem Sie ein Bewusstsein entwickeln, das sich nicht an richtig oder falsch klammert, finden sie einen neuen Seinszustand. Daraus entwickelt sich schließlich das endgültige Aufhören des Leidens. Zu guter Letzt, wenn Sie nicht mehr an sich verzweifeln. Tun Sie von ganzem Herzen alles, um Ihre klarsichtige Intelligenz zu wecken, aber tun Sie es immer nur von Tag zu Tag, von Moment zu Moment.

Pema Chödrön (*1936)

23 März 2010

Das Selbst finden

Stellt euch vor, ihr spielt in einem Theaterstück und ihr spielt eine Rolle und seid euch die ganze Zeit bewusst, dass ihr eine Rolle spielt. Ihr seid nicht wirklich diese Person. Es ist nur eine Rolle, die ihr spielt. Genauso spielt ihr jetzt eine Rolle, nur habt ihr vergessen, dass ihr eine Rolle spielt. Ihr denkt, euer Körper, so wie er jetzt aussieht, wie er erscheint, was er macht, sei real, und ihr steckt all eure Energie in das Spiel, diese Rolle zu spielen. Das ist tatsächlich vergeudete Energie. Wenn ihr nur eure Energie daran setzen würdet, das Selbst zu finden, das ihr in Wirklichkeit nie verloren habt.

Robert Adams (1928-1997)

22 März 2010

Geduld

Eigne dir
die Gangart
der Natur an.
Ihr Geheimnis ist Geduld.

Ralph Waldo Emerson (1803-1882)

21 März 2010

An der Stille teilhaben

Selbst die Buddhas und Patriarchen sind nur wie Wegweiser auf dem Weg der Erkenntnis.
Da gibt es welche unter euch, die sich einen Satz aus den Lehrreden herauspicken, der euch halb verständlich und halb unverständlich ist. Damit schafft ihr Verwirrung und versetzt Himmel und Erde in Unruhe. Ihr rennt umher, befragt Gott und die Welt und verharrt so in geschäftiger Verblendung. Der echte Mensch des Weges, der echte Zen-Mensch blickt nicht nach rechts und links, verbringt seine Zeit nicht damit, um über Rechtschaffene und Gauner, dies und das, richtig und falsch, Form und Nicht-Form oder andere abstrakte Begriffe vergeblich zu diskutieren.

Kommt jemand mit einer Frage zu mir, dann durchschaue ich ihn gründlich, ganz gleich, ob er Mönch oder Laie ist. Welche Begriffe er mir auch immer anträgt, er lernt sie alle als leere Worte und Namen, als Vorstellungen und Gehirnfurze zu entlarven.
Die Absicht des tiefgründigen Lehrens aller Buddhas besteht darin, den in uns sichtbar werden zu lassen, der in der Lage ist, alle Lebensumstände zu beherrschen. Die Buddhanatur kann von sich selbst nicht sagen: ich bin die Buddhanatur. Es ist vielmehr der unabhängige Mensch des Weges, der in allen Lebensfragen von seiner Buddhanatur Gebrauch macht, indem er sie einfach walten lässt.

Fragt mich jemand, wo er wohl nach der Buddhanatur suchen solle, so begegne ich ihm mit meiner Buddha-Natur. Fragt mich jemand nach Bodhisattvas, so zeige ich ihm echtes Mitgefühl, die Eigenschaft jedes Bodhisattvas. Fragt mich jemand nach der Erleuchtung, dann antworte ich ihm durch Nicht-Antworten und zeige ihm somit Unaussprechlichkeit. Fragt mich schließlich jemand nach Nirvana, dann lasse ich ihn teilhaben an der Stille, der Funktion des Nirvana.

Rinzai Gigen Zenji alias Lin-chi (um 850)

20 März 2010

Sich selbst lieben

Wenn du unfähig bist, dich selbst zu lieben, wirst du nie in der Lage sein, irgendwen zu lieben. Das ist eine absolute Wahrheit, die keine Ausnahmen hat. Du kannst andere nur lieben, wenn du dich selbst lieben kannst.
Aber die Gesellschaft verurteilt Eigenliebe. Sie sagt, das sei egoistisch, sie sagt, das sei narzisstisch. Ja, Eigenliebe kann narzisstisch werden, aber sie ist es nicht notwendigerweise. Sie kann narzisstisch werden, wenn sie nie über sich selbst hinausgeht, sie kann eine Art Egoismus werden, wenn sie auf dich selbst beschränkt bleibt. Im übrigen aber ist Eigenliebe der Beginn jeder anderen Liebe.

Ein Mensch, der sich selbst liebt, beginnt früher oder später, vor Liebe überzufließen.

Osho (1931-1990)

19 März 2010

Einsamkeit vs. All-Einheit

Eines Tages muss man sich mit seiner Einsamkeit anfreunden. Wenn du ihr einmal in die Augen geschaut hast, verändert die Einsamkeit ihre Farbe, ihre Qualität; sie schmeckt dann völlig anders. Sie wird zur All-Einheit. Dann ist sie nicht mehr Isolation; sie ist All-eins-sein mit dir selbst.
Isolation birgt Unglück; All-Einheit weitet sich zu Glückseligkeit aus.

Osho (1931-1990)

18 März 2010

Immer nur das Ganze

"Gott" oder das "reine Bewusstsein" verliert sich, "vergisst sich" vorübergehend und steigt in immer tiefere Ebenen des Bewusstseins - also vom Überbewusstsein zum Bewusstsein hin zum Unbewusstsein. Dabei "vergisst" jede Ebene, wo sie vorher war. Jede Ebene ist Stufe einer "Entfremdung" von der Gottheit, vom Ganzen. Und natürlich ist dieser stufenweise Abfall vom Ganzen eine Illusion, ein "Spiel der Täuschung", weil jeder Schritt nichts als eben ein "Spiel des Ganzen" ist, welches keine Zeit kennt.

Die Wirklichkeit aller Erscheinungsformen ist immer nur das Ganze. Das Ganze, das Göttliche ist nie wirklich "verloren", sondern nur "vergessen".... Das "Spiel" geht in eine neue Runde, wenn die Involution abgeschlossen, das "Nichts" wiederhergestellt ist. Dann beginnt wieder neue Evolution.

Henning von der Osten ( 1926 - 2008)

17 März 2010

Nacht der Mystik: 19. März

Seit es Menschen gibt, die sich und ihr Dasein reflektieren können, suchen sie nach einer Wirklichkeit hinter der sichtbaren Realität. Auch heute fragen sich viele: „Was trägt die Welt im Innersten?“ und „Wie kann ich – jenseits unseres zweckrational organisierten Alltags – zu tieferer Erkenntnis kommen?“

Um Antworten auf diese Fragen nach dem Grund des Lebens zu finden, gehen Menschen in unterschiedlichen Kulturen und Religionen ganz verschiedene Wege: Meditation, Kontemplation und Askese gehören zum festen Bestand bei der Sinnsuche. Innenschau und die Reduzierung auf das Wesentliche sollen dabei helfen, zum Eigentlichen zu kommen.

So unterschiedlich die Wege sind, so sehr ähneln sich die Aussagen von Menschen, die „Gott geschaut“ oder „Erleuchtung“ erlangt haben. Ob es Heilige waren, die die unmittelbare Begegnung mit Gott suchten, oder Weise und Meister, die das „Große Eine“ erfuhren, so beschreiben sie doch alle, dass ihre mystische Erfahrung etwas „Unsagbares“ hatte. Und so legen sie in oft poetischer Sprache und anhand von Bildern, in denen sich Gegensätze zu einem Einssein auflösen, Zeugnis davon ab, dass sie einem Geheimnis begegneten, das sich mit Worten letztlich nicht beschreiben lässt.

Die Annäherung an dieses Geheimnis steht im Mittelpunkt der „Nacht der Mystik“. Über Musik aus unterschiedlichen Jahrhunderten und Tanz, über bildende Kunst und Film, über Texte und in Stille werden die Besucherinnen und Besucher in eine meditative Atmosphäre eintauchen. Texte und heilige Schriften aus unterschiedlichen Religionen wie Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus und Zen-Buddhismus leiten als roter Faden durch das vierstündige Programm. Immer geht es um Erfahrung – im Sinne des berühmten Satzes von Karl Rahner „Der Fromme von Morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“

Die „Nacht der Mystik“ ist eine ökumenische Veranstaltung der katholischen Kirchengemeine Johannes XXIII. und der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Neue Stadt. Sie will – auch im Sinne einer interreligiösen Begegnung – Christen wie Nicht-Christen ansprechen.

Text der Einladung für die "Nacht der Mystik". Mehr Informationen hier:

http://www.nachtdermystik.de/index.html

Findet ihn

Verhaltensweisen sind Festlegungen,
Differenzierungen in zehntausendfacher Weise.

Aber da gibt es jemand,
der immer gleich bleibt, der unveränderbar ist.

Findet ihn.


Rinzai Gigen Zenji alias Lin-chi (um 850)

16 März 2010

Sein und Denken

Wir sind, was wir denken.
Alles, was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken.
Mit unseren Gedanken machen wir die Welt.

Gautama Buddha (ca. 563-483 v. u.Z.)

15 März 2010

Erkannter und Erkenntnis

Der Schöpfer im Menschen ist das eigene Selbst, dessen letzte, von seinem eigenen Mittelpunkt entfernteste Manifestation das kleine "Ich", das persönliche "Ichbewusstsein" ist. Das persönliche "Ich" in ihm ist das durch die Materie - im Körper - widergespiegelte Bild Gottes. Wenn der Mensch also aus dem Fernsein in die Identität mit Gott zurückgelangen will, muss er mit seinem Bewusstsein denselben Weg einschlagen: er muss sein Bewusstsein, von seinem persönlichen "Ich" ausgehend, immer tiefer und tiefer in sich zurückziehen, und sich zu seinem wahren Selbst, zu seinem Schöpfer, hinwenden, bis er sich in Ihm bewusst erkennt. Das bedeutet aber, dass in diesem Zustand nicht das Geschöpf - die Person - sich selbst erkennt, da es keine wahre Existenz hat und als Scheinwesen kein rückwirkendes Bewusstsein, keine Selbsterkenntnis haben kann, sondern der Schöpfer erkennt sich selbst im Geschöpf, in der Person. Dies ist die einzige Möglichkeit, in welcher das Getrenntsein aufhört, in welcher das Bewusstsein sich im Einheitszustand befindet, wenn das "Sich-selbst-Denken" aufhört und zum "Sich-selbst-Sein" - zur "Selbsterkenntnis" - wird. In diesem Zustand sind der Erkenner, das Erkannte und die Erkenntnis ein und dasselbe Subjekt: das Selbst - der Schöpfer - erkennt sich selbst in sich!

Elisabeth Haich (1897-1994)

14 März 2010

Mitgefühl für andere

Wenn wir Mitgefühl haben für andere, dann vergessen wir uns selbst. Wenn wir uns selbst vergessen, können wir unmöglich ein Problem haben.
An andere zu denken ist der direkteste und einfachste Weg, die eigenen Probleme loszuwerden.
In dem Moment, wo man an sich selbst denkt, gibt es unzählige Möglichkeiten, alte Probleme wieder hervorzuholen und neue zu schaffen.

Ayya Khema (1923 - 1997)

13 März 2010

Einziges Wort

Solange du dir Vorstellungen nicht bewusst machst, wirst du Erleuchtung nicht verwirklichen, selbst wenn du dich ein ganzes Weltzeitalter mit der Lehre beschäftigst und alle Lehrreden und Meditationsanweisungen kennst.
Bist du dir aber deiner Gedanken und Vorstellungen bewusst, dann kann es sein, dass dich ein einziger Ausspruch, vielleicht sogar nur ein einziges Wort, unmittelbar zum Erwachen bringt.

Bardo Thödol

12 März 2010

Erscheinungsformen

Die gesamte Schöpfung existiert in dir, und alles, was in dir ist, existiert auch in der Schöpfung. Es gibt keine Grenze zwischen dir und einem Gegenstand, der dir ganz nahe ist, genauso wie es keine Entfernung zwischen dir und sehr weit entfernten Gegenständen gibt. Alle Dinge, die kleinsten und größten, die niedrigsten und höchsten sind in dir vorhanden als ebenbürtig. Ein einziges Atom enthält alle Elemente der Erde. Eine einzige Bewegung des Geistes beinhaltet alle Gesetze des Lebens. In einem einzigen Tropfen Wasser findet man das Geheimnis des endlosen Ozeans. Eine einzige Erscheinungsform deiner selbst enthält alle Erscheinungsformen des Lebens überhaupt.

Khalil Gibran (1883-1931)

11 März 2010

Sich selbst Licht werden

Alles, was gebraucht wird, ist schon im menschlichen Bewusstsein verborgen. Der Mensch muss nicht in den Himmel schauen, sondern in sich selber. Er braucht nicht von irgendwoher um Gnade bitten, sondern er muss sich selbst ein Licht werden.

Gautama Buddha (ca. 563-483 v.u.Z.)

10 März 2010

Wer, wo, wann

Wer, wenn nicht wir?
Wo, wenn nicht hier?
Wann, wenn nicht jetzt?

Aus China

09 März 2010

Träumen trauen

Trauet euren Träumen,
denn das Tor der Ewigkeit ist darin verborgen.

Khalil Gibran (1883-1931)

08 März 2010

In früheren Zeiten...

In früheren Zeiten vermochten die Menschen das ganze Leben mit geistlichen Übungen und der genauen Befolgung aller in den Heiligen Schriften verordneten Riten zu verbringen ...
Wer in unserer Zeit die vom Irrtum geschmiedeten Fesseln abstreifen will, soll unaufhörlich den heiligen Namen Gottes wiederholen und gleichzeitig seine Gedanken auf Gott richten. Wer den inbrünstigen Glauben an die Macht des heiligen Gottesnamens in seinem Herzen trägt, und diesen Namen Tag und Nacht wiederholt, bedarf keiner geistlichen Übungen mehr.

Ramakrishna (1836-1886)

06 März 2010

Das Ganze

Gott lässt sich nicht von der Evolution trennen. Gott ist Kommen und Gehen. Gott ist Geborenwerden und Sterben. Er ist der Tänzer, der die Evolution tanzt. Ein Tänzer ohne Tanz macht keinen Sinn - und einen Tanz ohne Tänzer kann man ebenso wenig denken. Auf diese Weise gehören Gott und Evolution zusammen. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Oder nehmen wir das Beispiel einer Symphonie: Der Kosmos ist die Symphonie, und das, was wir "Gott" nennen, erklingt als diese Symphonie. Jeder Ort, jeder Augenblick, jedes Wesen ist eine ganz bestimmte Note, die je für sich unverzichtbar für das Ganze ist, auch wenn sie im nächsten Augenblick durch eine andere Note abgelöst wird. Alle Noten machen das Ganze aus, alle Noten sind das Ganze - und das, was die Ganzheit des Ganzen ausmacht, ist Gott, der als dieses Ganze erklingt.

Willigis Jäger (* 1925)

05 März 2010

Buddha-Weg

Den Buddha-Weg erfahren bedeutet, sich selbst erfahren. Sich selbst erfahren heißt sich selbst vergessen. Sich selbst vergessen heißt, sich selbst wahrnehmen - in allen Dingen. Dies erkennen bedeutet, dass das Unterscheiden aufhört: von Leib und Geist, von mir selbst und von den andern. So verschwinden die Spuren der Erleuchtung, und zugleich ist sie da, jederzeit und überall, ohne dass wir daran denken.

Dogen (1199-1253)

04 März 2010

Bist und hast alles

Dies zu sein oder das,
bedeutet nicht alles zu sein.
Denn solange ich dies und das bin
oder dies und das habe,
so bin ich nicht alles
noch habe ich alles.

Scheide ab,
dass du weder dies noch das bist,
oder dies und das hast,
so bist du alles
und hast alles.

Meister Eckhart (1260 - 1327)

03 März 2010

Gelassenheit

Gelassenheit fängt Gott:
Gott aber selbst zu lassen,
Ist ein Gelassenheit,
die wenig Menschen fassen.

Angelus Silesius (1624 - 1677)

02 März 2010

Gefängniswärter Unwissenheit

Die Erleuchtung fühlte sich für Gautama Buddha an, als sei ein Gefängnis, das ihn Tausende von Lebzeiten umschlossen hatte, nun aufgebrochen. Unwissenheit war der Wärter dieses Gefängnisses gewesen. Unwissenheit hatte seinen Geist verdunkelt, so wie die stürmischen Wolken den Mond und die Sterne verbargen. Von endlosen Wogen täuschender Gedanken getrübt, hatte der Geist die Wirklichkeit in Subjekt und Objekt geteilt, in Selbst und Andere, Sein und Nicht-Sein. Und aus diesen Unterscheidungen entstanden die falschen Sichtweisen - die Gefängnisse von Empfindung, Begierde, Ergreifen und Werden.
Das Erleiden von Geburt, Alter, Krankheit und Tod machte die Gefängnismauern nur noch dicker. Es gab nur eins zu tun: den Gefängniswärter zu ergreifen und sein wahres Gesicht zu schauen. Der Gefängniswärter war die Unwissenheit. Und das Mittel, die Unwissenheit zu überwinden, war der Edle Achtfache Pfad. War der Gefängniswärter erst fort, dann würde auch das Gefängnis verschwinden und niemals wieder aufgebaut werden.

Thich Nhat Hanh (* 1926)

01 März 2010

Nur für heute...

1. Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

2. Nur für heute werde ich große Sorgfalt in mein Auftreten legen: vornehm in meinem Verhalten; ich werde niemand kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern – nur mich selbst.

3. Nur für heute werde ich in der Gewißheit glücklich sein, daß ich für das Glück geschaffen bin - nicht für die anderen, sondern auch für diese Welt.

4. Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, daß die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

5. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

6. Nur für heute werde ich eine gute Tat verbringen, und ich werde es niemandem erzählen.

7. Nur für heute werde ich etwas tun, für das ich keine Lust habe zu tun: sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, daß es niemand merkt.

8. Nur für heute werde ich fest glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, daß die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

9. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist – und ich werde an die Güte glauben.

10. Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen – und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.

Die so genannten "Zehn Gebote der Gelassenheit", die Papst Johannes XXIII. (Angelo Giuseppe Roncalli, 1881 - 1963) zugeschrieben werden.